Für Kinder richtig würzen
Interview
26. Mai 2026
Sie sind unberechenbar und somit die herausforderndsten Gäste überhaupt: Kinder. Gleichzeitig gibt es nichts Schöneres für einen Koch, als wenn die Kleinen mit Genuss zugreifen und mit strahlenden Augen genießen. Damit dies gelingt, gibt es gerade beim Würzen ein paar wichtige Dinge zu beachten.
Christian Berger vom WIBERG Team Inspiration ist sich sicher: „Kinder sind unberechenbar – heute ‚Yeah‘, morgen ‚Bääh‘“, lacht der Küchenprofi und weiß auch als Vater, wovon er spricht. Gerade beim Würzen helfen einfache Grundregeln. Der kindliche Gaumen ist noch nicht durch Erfahrungen geprägt und vertraut daher den Schutzmechanismen der Evolution: „Bitter oder scharf sind Warnsignale! Deshalb lehnen Kinder solche Geschmäcker meist ab.“ Hinzu komme, dass Kinder bis zum sechsten Lebensjahr viermal so intensiv schmecken wie Erwachsene. Durch Geschmacks-erfahrungen und das Wissen um Lebensmittel verändert sich auch die Wahrnehmung, weshalb Erwachsene gerne Kaffee oder Campari trinken.
Praktische Tipps vom Team Inspiration
FÜR FEINE GAUMEN
Erste Wahl bei Kindergerichten sind fein gemahlene Gewürze, da diese einerseits ihre positiven Eigenschaften entfalten können und andererseits das Kind nicht beispielsweise auf ein Kümmelkorn beißt. Fenchel, Anis, Kümmel und Koriander sind Verdauungshelfer. Gröbere Bestandteile – in der Moulinette frisch vermahlen – werden in Pulverform gut toleriert“, erläutert Berger. Dass Kartoffeln, Nudeln und Reis bei Kindern so hoch im Kurs stehen, ist evolutionär bedingt, sind sie doch perfekte Energiespender. Gerade Reis lässt sich kindgerecht perfektionieren, indem man zwar Salz reduziert, aber dafür ein Gewürzsäckchen mit Muskatblüte, Sternanis, Nelke und Lorbeer mitkocht. So entsteht ein Duftreis voller Geschmack.
MYSTISCHES ZAUBERGEWÜRZ
Wahrer Zauberkünstler beim Kochen für Kinder ist die Vanille. Bereits kleinste Mengen werden positiv wahrgenommen. Und dies gilt nicht nur bei Desserts, sondern auch in der pikanten Küche wie in Schmorgerichten, Suppen, Eintöpfen oder auch in Verbindung mit Erbsen oder Tomaten. Weshalb Menschen bereits kleinste Mengen an Vanille wahrnehmen und positiv bewerten, gibt der Wissenschaft noch immer Rätsel auf. Gemeinhin geht man von einer sehr frühen Prägung bereits während der Schwangerschaft aus. Ebenso beinhaltet Muttermilch einen merklichen Anteil an Vanilleduftstoffen.
GUT GEMÖRSERT - HALB GEWONNEN
Milde Küchenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch, Kerbel oder Basilikum werden von kleinen Genießern besser toleriert als herbe Aromaten wie Salbei, Bohnenkraut, Lorbeer, Beifuß oder Rosmarin. Diese Geschmacksgeber am besten in feinerer Beschaffenheit und dezenter dosiert zu verwenden. Auch getrocknete Kräuter idealerweise nochmals mörsern oder fein zerkleinern.
ZUCKER, ZUCKER – ÜBERALL?
Evolutionär begründet ist die Vorliebe von Kindern für Süßes. Grund dafür ist abermals der benötigte Energiebedarf während des Heranwachsens. Zusätzlich dürfte auch positive frühkindliche Prägung eine Rolle spielen, denkt man beispielsweise an die eher süßlichen Nuancen der Muttermilch. Auf Zucker im Salatdressing kann verzichten, wer zu den AcetoPlus Varianten greift. „Die fruchtige Süße von Himbeeren, Mango oder Passionsfrucht reduziert die essigsaure Note und entspricht dem kindlichen Gaumen.