LOW CARB – Die Ernährungsrevolution?
Wenn man Menschen fragt, was sie mit „Low Carb - Diäten“ verbinden, dann hören sie als Antwort: Endlich wieder Fleisch und Fett essen können und trotzdem abnehmen. Natürlich auch Fisch, Salat, Obst und viel Gemüse. Dafür keine Kartoffeln, Nudeln oder Knödel. Dass Reis und Brot nur aus dem vollen Korn sein sollen und Zucker verpönt ist, wissen nur mehr einige Wenige ... . Diese offensichtlich sehr populäre Diätwelle führt in Europa seit gut drei Jahren zu heißen Diskussionen. Zu diesem „Trend“ im Bereich der Diäten gehören die Atkins-Diät, die South-Beach-Diät und andere so genannte Low Carb-Diäten (z.B. LOGI). Allen ist gemeinsam, dass der glykämische Index (GI) von Lebensmitteln, also deren Blutzuckerwirksamkeit, im Mittelpunkt steht. Aber was genau steckt hinter diesem Konzept?
LOW CARB – was heißt das eigentlich?
Der Begriff ist die Abkürzung für „low carbohydrates“ zu deutsch „niedriger Kohlenhydratgehalt“.Was ist der GLYKÄMISCHE INDEX ( G I ) ?
Der glykämische Index, kurz GI oder auch Glyx genannt, gibt die blutzuckersteigernde Wirkung bestimmter Kohlenhydrate bzw. kohlenhydrathaltiger Lebensmittel in Zahlen an.- Ein hoher GI bedeutet, dass die Kohlenhydrate des Lebensmittels schnell verdaut werden und ins Blut gelangen, so dass der Blutzuckerspiegel rasch ansteigt. Beispiele: Weißbrot, weißer Reis, Kartoffeln, Süßigkeiten und Limonaden.
- Lebensmittel mit einem geringen GI bewirken dagegen nur einen langsamen und insgesamt geringeren Anstieg der Blutzuckerkurve. Beispiele: Gemüse, Milchprodukte, Käse, Fisch, Fleisch und Eier; Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.
Vertreter der Low Carb-Diäten bewerten letztere als besonders positiv. Viele bezeichnen sie mit dem Begriff „gute“ Kohlenhydrate im Gegensatz zu den „schlechten“ Kohlenhydraten (jene mit hohem GI). Damit rücken auch Lebensmittel ohne GI, wie Fleisch, Fisch, Eier, Fette und Öle in eine positiv beurteilte Position. Die Problematik dabei ist jedoch folgende: Der GI vermag zwar die Qualität von kohlenhydratreichen Lebensmitteln teilweise zu beschreiben, jedoch ist er für die Beurteilung der ernährungsphysiologischen Qualität protein- oder fettreicher Lebensmittel ein völlig ungeeignetes Instrument.
DER GLYKÄMISCHE INDEX IST KEIN ALLGEMEINES MAß FÜR LEBENSMITTELQUALITÄT.
Weiters wird beim GI die Menge des kohlenhydrathaltigen Lebensmittels nicht berücksichtigt. Diese Tatsache versuchen einige Low Carb-Diäten durch die Einführung der so genannten glykämischen Last zu verbessern.Was bedeutet GLYKÄMISCHE LAST ( G L ) ?
Die GL bezieht sich auf die glykämische Gesamtbelastung einer tatsächlich verzehrten Portion eines Lebensmittels, also zum Beispiel auf eine Scheibe Weißbrot (30 g) oder eine Portion Reis (50 g). Die glykämische Last wird nicht gemessen sondern errechnet. (Kohlenhydratgehalt der Portion mal dem glykämischen Index geteilt durch 100).Brauchen wir eine neue ERNÄHRUNGS-PYRAMIDE?
Um dem Verbraucher die Auswahl ernährungsphysiologisch wertvoller Lebensmittel zu erleichtern, wird eine grafische Darstellung - meist in Pyramidenform – als didaktisches Hilfsmittel verwendet. Da bei Low Carb-Diäten die Lebensmittel ohne GI bzw. mit niedrigem GI als besonders wertvoll erachtet werden, finden sie sich hier in der Basis. Dies unterscheidet sie von den Ernährungspyramiden, die sich auf breite wissenschaftliche Erkenntnisse stützen.Was empfehlen also Vertreter der LOW CARB-Diäten für die Praxis?
aus N. Worm & Doris Muliar: Low Carb - Die Ernährungsrevolution)- Jederzeit Gemüse, pur oder mit kleinen Mengen Öl zubereitet, und zwischendurch frische Früchte.
- Als Beilage eiweißreiche, fettarme Fleisch- und Milchprodukte, Eier, mageren und (noch besser) fetten Seefisch, weil dieser wertvolle Omega-3- Fettsäuren liefert.
- Nur gelegentlich kleine Portionen der typischen Kohlenhydratträger Kartoffeln, Brot, Reis oder Nudeln. Am besten aus vollem Korn.
- Garantierte Dickmacher, die nur hin und wieder als Genusshappen verzehrt werden sollen: süße, zuckerreiche Snacks und Getränke sowie sehr fettreiche Gerichte.
Ist nun alles auf den Kopf gestellt ?
Mitnichten - diese so genannten neuen Konzepte klingen nicht wirklich neu (die Atkins-Diät gab es schon in den 1970er Jahren), schon gar nicht revolutionär und sie stimmen teilweise mit den bekannten Empfehlungen überein. So werden Gemüse und Obst bei allen Ernährungsempfehlungen als sehr positiv bewertet. Dass mit Zucker sparsam umzugehen ist, wird einmal mehr betont. Angesichts des viel zu hohen Verzehrs von Fleisch und anderen tierischen Eiweißquellen, sollte man die Mengen dieser Lebensmittel genau beachten. Die Bevorzugung von Ölen sollte nicht als Freibrief für eine unlimitierte Menge interpretiert werden. Vielleicht würde „low calory“ (niedrige Kalorien) besser ausdrücken, worauf wir heute eher schauen sollten. Aber wie lässt sich das gut vermarkten?Wer generell die Gesundheit und Vitalität im Auge hat, der darf sich ohnedies nicht allein auf die Ernährung verlassen. Reichlich Bewegung und eine seelische Ausgeglichenheit sind dafür unerlässlich.

