"Die Lebensküche" - AYURVEDA
Viele stolpern schon über die Aussprache „Ei…“ oder „Auv...“, aber gehört haben alle davon… behaupten sie… aber was ist das jetzt genau noch mal? So was „Neues“ oder doch etwas ganz „Altes“ ? Aus dem Osten? Und was hat das hier in einem Magazin für mehr Genuss zu suchen? Für Genuss und Geschmack ist die Verwendung von Gewürzen unerlässlich. In dieser alten Gesundheitslehre spielen sowohl Genuss und der Einsatz von Gewürzen eine zentrale Rolle. Hier kann lediglich ein Hauch dieses, aus einer fernen Welt stammenden Wissens, gestreift werden. Vielleicht findet sich darin auch bei uns Bekanntes, das sich wieder mehr zu beachten lohnt?
Ein bisschen Geschichte zum besseren Verständnis:
Ayurveda ist eine Heil- und Gesundheitskunde, in der vor allem die Vorbeugung eine große Rolle spielt. Der Ursprung reicht über 5000 Jahre zurück und liegt im asiatischen Raum. Von dort aus wurde sowohl das altägyptische Reich als auch Hippokrates, der bedeutendste Arzt des antiken Griechenlandes beeinflusst. Ayurveda kann mit "die Wissenschaft vom Leben" übersetzt werden und entspricht einem ganzheitlichen Konzept, in dem natürlich die Ernährung ihren Platz hat.Die wichtigsten Merkmale der Esskultur im Ayurveda:
- Der Sinn der Ernährungslehre im Ayurveda
- Die Einteilung nach Konstitutionstypen (Prakriti)
- Die Wirkungseigenschaften der Rasas (Geschmack)
- Der spezielle Einsatz von Kräutern und Gewürzen
Der Grundgedanke hinter der Ernährungslehre im Ayurveda ist die Harmonisierung des Körpers, die Stärkung der Immunität und der Vitalitat. Es gibt allerdings keine strikten Ernährungsregeln, sondern lediglich Empfehlungen.
Welche Konstitutionstypen gibt es?
Bei den Konstitutionstypen unterscheidet man Vata, Pitta und Kapha. Natürlich gibt es auch Mischtypen und Verschiebungen im Laufe der Lebensjahre. Mit der Einteilung in Konstitutionstypen geht man davon aus, dass jeder Mensch anders auf bestimmte Situationen, Dinge und auch Speisen reagiert. Es geht dabei um den Ausgleich von Mangel oder Überschuss. Für diese angestrebte Ausgeglichenheit der verschiedenen Typen gehört auch das Wissen über die fünf Elemente, die mit der Nahrung aufgenommen werden, zur Basis.Was sind Rasas?
Rasa bedeutet wörtlich Geschmack, bezeichnet aber im Ayurveda die Gesamtwirkung einer Substanz auf den Organismus. In dieser Esskultur werden sechs Rasas unterschieden: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend. Die Rasas stehen mit den fünf Elementen in unmittelbarem Zusammenhang (z.B. süß mit Erde und Wasser) und wirken entsprechend, nämlich stärkend oder verringernd, auf Vata, Pitta oder Kapha.Grundsätze der Ayurveda-Küche:
Vieles klingt hier vielleicht etwas fremd und verwirrend. Aber einfache Grundsätze des Ayurveda kommen uns sicher sehr bekannt vor und werden auch bei uns praktiziert. Die Ayurvedische Küche ist nicht mit der indischen Küche gleichzusetzen, die Gerichte müssen nicht „indisch“ sein.- Die Ayurveda-Küche empfiehlt, sorgfältig zubereitete, warme und gekochte Speisen zu sich zu nehmen. Der Gedanke dahinter: nur warme, gegarte Nahrung kann der Körper leichter aufnehmen.
- Bei der Zubereitung der Speisen darauf achten, dass möglichst alle Rasas verwendet werden. Beispiel: Saure Salatsauce mit einem Löffel Honig oder gehackten Zwiebeln „ausbalancieren“.
- Möglichst abwechslungsreich essen und viele verschiedene Lebensmittel verwenden. Vorwiegend lakto-vegetabil (vegetarisch mit Milch- und Milchprodukten). Produkten aus biologischer Landwirtschaft ist dabei der Vorzug zu geben.
- Obst und Gemüse der Saison wählen. Produkte aus der Region, in der man sich aufhält, verwenden und die speziellen (vor Ort üblichen) Essgewohnheiten annehmen bzw. beibehalten.
- Schwer verdauliche Nahrungsmittel und solche, die dem jeweiligen Konstitutionstyp abträglich sind, sollten gemieden werden. Die Wirkung ist nicht immer sofort spürbar, trotzdem können sich im Laufe der Jahre Krankheiten einstellen.
- Möglichst frisch zubereitete Nahrung essen (Meiden von Fertiggerichten und Aufgewärmtem).
Der Einsatz von Kräutern und Gewürzen stellt traditionell einen Schwerpunkt in der Ayurvedischen Küche dar. Dabei steht aber die Bedeutung um die Wirkungsweise der verschiedenen Kräuter, Gewürze und Gewürzmischungen im Vordergrund. Vor allem bei kleineren gesundheitlichen Problemen nutzt man im Ayurveda die Zugabe bestimmter Gewürze und Gewürzmischungen (z.B. wird Pfeffer als Appetitmacher geschätzt. Er soll auch bei Übelkeit, Schwindelgefühl, Blähungen, Verstopfung, Fieber und Erkältung helfen). Genuss wird in der Ayurvedischen Esskultur groß geschrieben. Allerdings umfasst dieser dabei mehr als ein kurzzeitiges Gaumenerlebnis. Es geht dabei vielmehr darum, dem ganzen Körper langfristig Wohlbefinden zu schenken. Können wir im Westen lebenden Genießer da noch dazulernen?
„Der Zustand des Körpers ist das Ergebnis dessen, was man zu sich nimmt, ob es gegessen, getrunken, gelutscht oder verschlungen wird…“
von Charaka, einem der Weisen, 6000 v. Christus

